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IMG_0171Wie viele Touristen habe ich diesen Wein im Dorfladen in Scherwiller gekauft, einfach so, ohne spezielle Kenntnisse, weder vom Weingut noch vom Wein. Er war gedacht zum Aperitif auf unserer aktuellen Elsass-Reise. Auf dieser Fahrt durchs Alsace ging es weniger um spezielle Weine (die haben wir zwar am Abend auch genossen!) als vielmehr um die Kultur, die Landschaft und natürlich vor allem um die Weinberge (die Landschaften), entlang der über 100 Kilometer langen Weinstrasse durchs Elsass. Darüber werde ich in meiner Kolumne auf www.wein-plus.eu berichten. Hier geht es einzig um diesen einen Riesling als zufälliges „Abbild“ vom „Vin d’Alsace“ – der gemeinsamen Herkunftsbezeichnung der Elsässer Weine ohne spezielle Lage. Das „Abbild“ kann bestehen, es kann sich gut halten, auch in Konkurrenz der berühmten deutschen Rieslinge. Er ist mineralisch (jedenfalls mineralischer als die meisten Rieslinge, die ich kenne), ausgesprochen trocken, rund, ohne Firlefanz, rassig und frisch. Rieslingliebhaber werden sich fragen: Und? So sind doch so viele gut, trockene Rieslinge – also nichts Aussergewöhnliches! Doch, ich meine, alle Rieslinge aus dem Elsass, die ich soeben verkostet habe, sind durchwegs anders als jene von „ennet dem Rhin“, von Deutschland. Robert Haag ScherwillerWarum? Wie anders? Es ist – ohne grössere Erfahrung – recht schwierig, dies in Worte zu fassen. Es ist vor allem die Mineralik (ein Unwort?, also: die Mineralität), die selbst bei einem einfachen Riesling – wie diesem hier – hervorsticht: steinig, ist man versucht zu sagen, felsig, aber nicht kantig, auch leicht salzig, Wärme speichernd, anscheinend so, wie man sich Steine – die man ja nicht essen, geschweige trinken kann – geschmacklich vorstellt. Kaum jemand hat an Steinen je gelutscht und schon gar nicht „Steinaromen“ wahrgenommen. Und doch wird dauernd – gerade beim Elsässer Riesling - von der Mineralität gesprochen. Ich mache da keine Ausnahme: dazu nehme ich aber so etwas wie Lindenblüte, Quitte, Kümmel und Anis wahr, halt ebenso Klischees, die mir bei so manchen der sensorischen Deutungen in die Nase, den Gaumen und in den Sinn kommen. Vielleicht vermischt sich da auch die Landschaft, die Natur mit all den Gerüchen und Aromen und all dem Erlebten mit diesem „anderen“ Wein, und zwar so stark, dass ich die Eindrücke nicht mehr voneinander trennen kann. Ich glaube, ich kann mich aber auf den einen Begriff festlegen: Harmonie. Der Wein ist so harmonisch, dass man wirklich glaubt, er könne nur von Reben in dieser Landschaft, in dieser Erde, aus dieser Lage entstanden sein. Das Bukett verliert sich in der Landschaft und die Landschaft im Bukett, meist sanft und ausladend, oft aber auch steil und stramm. Dabei ist dieser „einfache“ Riesling wohl noch entfernt von dem, was die Grand Crus bieten können

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