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DSC_1113Damals gab es nur zwei Grand Cru A in Saint-Emilion (jetzt sind es vier: Ausone, Cheval Blanc, Angélus und Pavie); damals waren diese Weine – aus heutiger Sicht – noch „bezahlbar“; heute ist die Verhältnismässigkeit verloren gegangen. Reine Presige- und Spekulationsobjekte. Schade! Der Lieblingswein meiner Frau war (damals) Ausone. Warum gerade Ausone, weiss ich nicht. Sicher ein hervorragender Wein, doch es gibt noch viele andere hervorragende Weine im Borderlais. So kaufte ich damals ab und zu für meine Frau (und mich) ein, zwei Flaschen, sehr zu unserem Entzücken. Doch dann kam der Jahrgang 1997. Ein schwacher Jahrgang – auch in Saint Emilion – nicht aber auf dem Château Ausone. Alain Vauthier hat seit 1995 (da wurde er alleiniger Besitzer) die verschiedenen Lagen neu aufgeteilt, nur noch die besten Parzellen für seinen Erstwein verwendet, zudem viel Aufwand im Rebberg betrieben und eine starke Selektion vorgenommen. Jedenfalls glückte der 97er als einer der wenigen wirklich guten Weine in St-Emilion. Dies begeisterte mich schon bei der Fassprobe und ich subskribierte gleich vier Flaschen. Seither bezeichnen wir diese Flaschen als unseren „Sündenfall“, denn sie kostete damals mit einem Schlag das Doppelte, ja fast das Dreifache der vorangehenden Jahre. Ein „kleines Detail“, das ich übersehen habe. Der „Sündenfall“ blieb im Keller, wir warteten geduldig auf den Tag, wo die Sünde vergeben wird, an einem ganz besonderen Tag, einem runden Geburtstag, bei einem gesellschaftliches Ereignis oder weiss ich wann und wo… Der richtige Tag kam nicht. Jedenfalls nahmen wir nicht wahr. Als dann der Wein auf Auktionen (und bei Bewertungen) nicht zulegte, sondern ständigen Schwund zeigte, öffnete ich – an einem fast gewöhnlichen Tag – eine Flasche und stellte fest, von diesem Wow-Wein ist noch einiges, aber nicht mehr viel vom „Wow“ übrig geblieben. Zugegeben es noch immer ein guter Wein, wohl noch immer einen der besten des Jahrgangs. Doch inzwischen gab es den 2000er, den 2005er, den 2009er… Allerdings für weit über 1‘000 Franken (die Flasche)! Da ist unser „Sündenfall“ geradezu ein Glücksfall.Ausone auf dem Zeltplatz So also ist es gekommen, dass wir den zweitletzten Ausone des Jahrgangs 1997 an (m)einem halbrunden Geburtstag geöffnet haben. Der Tag war fix, doch die Umstände eher ein Zufall. Wir waren auf einem Campingplatz, so quasi beim ganz einfachen Leben: Zelt, Gaskocher, Klapptisch etc. Da also kam der „Sündenfall“ ins Glas. Ein Wein, der damals mehr als 300 Franken gekostet hat, auf dem Campingtisch vor dem Zelt, wo eine Übernachtung kein Zehntel davon kostet. Wer nun sagt, das sind wahre Snobs, der hat wohl recht. Doch diese Geschichte lehrt mich: 1. Weine lassen sich überall geniessen. 2. Weine sollte man nicht aufsparen, bis der ultimativ richtige Zeitpunkt gekommen ist. 3. Hohe Weinpreise garantieren noch lange kein Höchstgenuss. 4. Nein lassen wir das… Unser „Sündenfall“ war ein wunderschöner Wein, schon sehr, sehr Reif. Viel von seiner Komplexität ist ihm bereits abhanden gekommen, er hat sich verschlankt, alles ist etwas schwächer geworden, das Bouquet, die Farbe, die Aromen, seine Kraft, die Harmonie… Er hat sein Potential aufgebraucht und beginnt sich zu Verabschieden. Aus dem einstmals grandiosen Ausone (des schwachen Jahrgangs 1997) ist ein guter Wein geworden, dessen Substanz nicht (mehr) reicht, die einstigen Wows zu widerholen.

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