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Andouzes 3Wann und wo ich auch immer eine massige, dickglasige 7.5 dl.-Flasche-Wein nach Hause trage, bin ich skeptisch. Will man mir da Qualität mit viel Glas und ordentlich viel Gewicht verklittern, beweisen, dass man gross und stark und anders ist? Plô des Figues benutzt eine solche Flasche, die wohl das Doppelte wiegt, wie eine normal proportionierte Weinflasche. Und? Um es vorweg zu nehmen, der Wein ist gut, sicher aber nicht doppelt so gut wie jene „gewöhnlichen“ Weine, welche die Domaine Estève (gleiches Weingut) unter diesem Namen anbietet, und die ich recht gut kenne und schätze. Auch der Name verspricht einiges: Feigen sind im Wein-Aromen-Spiegel nicht ganz unbekannt. Natürlich möchte ich zuallererst die versprochenen Feigen schnüffeln. Fehlanzeige: da finde ich gar manches Aroma, gar manches Gewürz, gar manchen Anklang. „Ein Geruch, den ich überhaupt nicht zuordnen kann: Hefe meine ich, doch dahinter exotische Gewürze, Garrigue, Gingster, Heidekraut, Thymian…“ notierte ich genau vor einem Jahr. Da hatte ich den Wein offensichtlich schon einmal im Glas. Ich konnte mich aber nnicht mehr daran erinnern – was eher selten vorkommt.Andouzes 2 Ich schlage nach in meinen früheren „Getrunken“. Tatsächlich, am 8. November 2012 schrieb ich: „Es gibt Weine, bei denen man ratlos ist, nicht begreift, was passiert, das Gefühl hat, die Weinwelt nicht mehr zu verstehen. Der „Plô de Figues“ ist so ein Wein, zumindest diese Flasche.“ Lag es an der Flasche? Ich versprach damals, eine andere Flasche (gleicher Jahrgang) zu degustieren und darüber zu berichten. Dies habe ich unterlassen, aus purer Nachlässigkeit. Jetzt aber habe ich den Wein wieder im Glas, allerdings ein wesentlich jüngerer Jahrgang (damals 2003, jetzt 2009). Und ich verstehe die Weinwelt wieder. Der Wein ist gut, besser, definierbarer, interessanter, verbindlicher… Vielleicht eine Spur zu verbindlich. Ich meine: eindeutig für den zwar anspruchsvollen, aber doch etwas normierter Geschmack konzipiert. Viel Syrah, etwas weich, etwas breit hinten im Gaumen, etwas gepresst im Abgang. Aber durchaus ein Wein, der seine Qualitäten hat. Irgendwie – und dies passt zur Flasche – ist alles etwas dick, vordergründig, aufgetragen, auch der Text auf der Rückseite der Flasche. An stelle von Informationen bekomme ich Schlagworte, Worthülsen, die etwa darin gipfeln: „Sur le plateau où la vue découvre la mer à l’horizon…“ Ja, da wachsen eben die Reben auf einem wunderschönen Plateau mit herrlicher Aussicht. Ob sie sich am Meer am Horizont erfreuen, kann ich nicht sagen. Tut auch nichts zur Sache, wenn es um die Qualität des Weins geht.

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