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Wir beschäftigen uns wieder mit einer Neuerscheinung für Wein-Einsteiger. Das Buch wendet sich laut Rückentext an "Gelegenheits-Genießer, die sich noch nicht intensiv mit dem Thema Wein befasst haben". Sofort zu Beginn geht Carsten Henn auch schon in volle Konfrontation zu engagierteren Weingenießern, wenn er behauptet, über 10 Euro schmecke man den Unterschied zu teureren Weinen kaum noch, über 20 Euro hänge ein Zusammenhang zwischen Preis und Geschmack dann eher mit Glauben als wirklich mit Geschmack zusammen. Nun ja ...

Ein paar Zeilen später lese ich dann, dass die "ideale Durchschnittstemperatur für Rotwein" 12-14 Grad Celsius beträgt.

Dennoch, sehen wir das Buch mal mit den Augen der Leser, für die es gedacht ist und die ggf. solche Fehler nicht auf die Goldwaage legen. Henn beginnt mit dem Einkauf (im Supermarkt!), über die Vorstellung von nützlichen Accessoires bis hin zum begleitenden Mineralwasser. Dabei werden Produkte konkret beim Namen genannt, was hilfreich für den Leser sein kann, aber natürlich einen sehr hohen Anspruch an sachliche und objektive Texte nach sich zieht. Bei der Beschreibung von vier beispielhaften Mineralwassermarken ist man jedoch einen Moment lang an die Werbetexte der Hersteller erinnert.

Es werden dann nach und nach Weinstile vom "leichten trockenen Weißwein" bis hin zum "gehaltvollen Rotwein" mit typischen Aromen, beispielhaften Anbaugebieten und für den jeweiligen Weinstil typischen Rebsorten beschrieben. Groß ist die Gefahr, dass der unbedarfte Leser den beispielhaften Charakter dieser Aufzählungen falsch interpretiert. Dann bleibt nämlich im Bewusstsein z.B. hängen, dass Wein von der Nahe oder ein Riesling oder ein Pinot Noir in der Regel "leicht" ist und aus Rheinhessen vorwiegend "weiße Bukettweine" kommen.

Zu jedem Wein gibt es eine konkrete Weinempfehlung mit seitengroßen Flaschenabbildungen. Hier wurde wohl mehr auf Verbreitung der jeweiligen Marke als auf Qualität geachtet, was aber in Anbetracht der Zielgruppe verständlich ist. Warum aber auch hier die Texte mehr an Werbetexte als an seriöse Weinbeschreibungen erinnern müssen, bleibt unverständlich.

Abschließend werden dem Leser dann wieder viele praktische Tipps gegeben. Die Hinweise sind konkret und i.d.R. durchaus brauchbar; auch hier kommt es aber wieder zu Fehlern, die - wieder aus Sicht des engagierteren Weinliebhabers - durchaus nicht notwendig sind. Laut Henn kann man z.B die Gefahr von Korkschmeckern durch stehende Lagerung reduzieren. Da jedoch ein Korkschmecker nicht durch die Lagerung entsteht, sondern vom Moment der Abfüllung an vorhanden oder nicht vorhanden ist, hat die Lagerung hierauf wohl keinen Einfluss.

Auch die sehr unkritische Aufzählung der positiven Auswirkungen des Weingenusses auf die Gesundheit, erscheint mir viel zu undifferenziert. Kaum ein Wort zu den Gefahren, aber eine Nennung aller angeblich positiven Wirkungen, wie diese von diversen "Studien" immer wieder "festgestellt" werden. In dieser Form akzeptiere ich das in Werbebroschüren von Weinanbauverbänden, aber doch nicht in einem mit journalistischem Abstand und kritischer Auseinandersetzung mit dem Thema geschriebenen Buch. Das Produkphoto eines Aspirin-Generikums mit werbewirksam abgebildeten Produktverpackungen als Empfehlung gegen den "Kater danach", deutet darauf hin, dass es sich die Photoredaktion hier entweder zu leicht gemacht hat oder womöglich... Aber diesen Verdacht spreche ich hier nicht aus, obwohl er mich durch das ganze Buch begleitet hat.

Fazit: Im Großen und Ganzen brauchbare Einsteigerinformationen. Kein "Drumrumgerede", sondern praktisch umsetzbare Information. Die vielen Kritikpunkte und der Gesamteindruck münden aber leider doch in der Empfehlung, lieber zu anderen Einstiegsführern zu greifen.

Carsten Henn
Wein - Ein Schnellkurs in 10 Gläsern
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